Archiv für Januar 2012

Break the Silence!

Neue Infobroschüre zu (Neo)naziaktivitäten in Brandenburg an der Havel verteilt

Am vergangenen Samstag machten engagierte Bürger_innen auf dem Neustädtischen Markt in Brandenburg an der Havel durch die Verteilung einer neuen Infobroschüre mit dem Titel „Break the silence!“ auf die kontinuierlichen (Neo)naziaktivitäten in der Stadt aufmerksam.

Die elfseitige Dokumentation listet, beginnend in den 1990er Jahren, eine Vielzahl von (Neo)nazis durchgeführten Aktionen, begangenen Delikten und verübten Verbrechen auf, die den Eindruck hinterlassen, dass in Brandenburg an der Havel ein günstiges Klima für das (neo)nazistische Milieu herrsche. Auffällig dabei ist die starke Zunahme von Propagandaaktivitäten bei einer gleichzeitig rückläufigen Zahl der Gewaltstraftaten. „Dies“, so die Verfasser_innen der Broschüre, hänge „mit dem zunehmenden Engagement der NPD zusammen“. Diese (neo)nazistische Organisation setze „im Zuge ihres Strukturaufbaus auf ein vermeintlich friedliches Image, dass sie jedoch bei Betrauung mit politischer Verantwortung – gemäß ihrer Programmatik – ablegen wird.“ Tatsächlich würde dann die „Gewalt“ in „Unrechtsgesetze“ verpackt und quasi legalisiert. „Der“ momentan „rückläufige Trend bei Gewaltdelikten“ verleite „somit zu einem Trugschluss“.

Dutzende der neuen Broschüren wurden am vergangenen Samstag an interessierte Menschen verteilt. Einige Angesprochene schienen jedoch der mit Quellen belegten Auflistung nicht zu trauen. Sie beriefen sich auf die etablierten Medien, in der über derartige Dinge kaum oder nur herunterspielend berichtet wird. Erst im Dezember titelte beispielsweise die Lokalausgabe einer großen Tageszeitung, dass es in Brandenburg an der Havel zwar (Neo)nazis gäbe, jedoch „keine feste(n) Nazi-Struktur(en)“ bekannt seien, obwohl lokale Antifaschist_innen in den Vormonaten immer wieder auf Aktivitäten der NPD Ortsgruppe sowie örtlicher „Freier Kräfte“ hinwiesen. Ein alternatives Informationsangebot durch die Bereitstellung der neuen Broschüre war deshalb unbedingt erforderlich.

Mit Hilfe der Dokumentation wird jedoch nicht nur informiert, sondern auch zu „einem gemeinsamen, präventiven und auch aktiven Handeln gegen den (Neo)nazismus in Brandenburg an der Havel“ aufgerufen. „Probleme werden nicht gelöst, indem sie ausgesessen werden, es sind Herausforderungen, denen wir uns souverän stellen und diese dann natürlich auch bewältigen müssen“, so die Verfasser_innen der Broschüre.

Am 15. Februar 2012 findet übrigens um 18.00 Uhr in der Brandenburger Havelstraße eine Gedenkveranstaltung für den im Jahr 1996 von einem (Neo)nazi ermordeten Sven Beuter statt.

Download Broschüre „Break the Silence!“ (PDF 524 kB)

Endlich umdenken!

(Neo)nazis aus Brandenburg an der Havel marschierten in Magdeburg mit

Geht es nach dem öffentlichen Meinungsbild in Brandenburg an der Havel hätte sich die Szene am Hauptbahnhof gestern gar nicht passieren dürfen. Organisierte (neo)nazistische Strukturen sind offiziell in der Stadt nicht bekannt oder sollen nicht erkannt werden. Dennoch versammelten sich bis zu 20 (Neo)nazis unter Vorsitz des Brandenburger NPD Ortsbereichsleiters Franz Poppendieck am Hauptbahnhof und fuhren gemeinsam mit Gleichgesinnten aus anderen Städten per Bahn nach Magdeburg. Dort fand am gestrigen Tage einer der größte (Neo)naziaufmärsche in der Bundesrepublik statt.

Um sich in Magdeburg entsprechend in Szene zu setzen führten die Brandenburger (Neo)nazis sogar diverse Devotionalien mit, die unübersehbar die Herkunft, der sich dazu bekennenden präsentierte. So trat beispielsweise die mitgereiste Vereinigung „Freie Kräfte Brandenburg/Havel“ mit eigenem Banner in Erscheinung. Andere Brandenburger (Neo)nazis aus der Reisegruppe trugen wiederum unübersehbar schwarze Fahnen mit der Aufschrift des Heimatortes.

Offenbar ist das (neo)nazistische Milieu in Brandenburg an der Havel doch nicht so inaktiv wie manch eine/r in der Vergangenheit vermutete. Und auch der NPD Ortsbereich, bzw. dessen offizieller Ortsbereichsleiter scheint nach wie vor aktiv zu sein.

Vielleicht bietet diese Tatsache aber auch eine Chance, nämlich die, endlich den zunehmenden (Neo)nazismus in der Stadt nicht mehr tot zu reden, den Schleier der Ignoranz fallen zu lassen, das Übel an der Wurzel zu packen und langfristige Konzepte dagegen zu erarbeiten.